Weltgebetstag 2022

dieses Jahr aus England, Wales und Nordirland:

Titelbild WGT 2022 (c) 2021 World Day of Prayer International Committee, Inc.
Datum:
Do. 24. Feb. 2022
Von:
Sara Tröbs

"Zukunftsplan: Hoffnung"

Meditation zu Land und Leuten

(Dieser Text enthält zusammengefasste Informationen aus den WGT-Unterlagen.)

Auch in diesem Jahr musste der Informationsabend zum Weltgebetstagsland noch einmal in St. Donatus stattfinden.

Wenn am 4. März 2022 Menschen in über 150 Ländern der Erde den Weltgebetstag feiern, tun sie das in diesem Jahr unter dem Motto der Frauen aus England, Wales und Nordirland: „Zukunftsplan: Hoffnung“. Sie laden uns ein, den Spuren der Hoffnung nachzugehen und erzählen von ihrem stolzen Land mit seiner bewegten Geschichte und der multiethnischen, -kulturellen und -religiösen Gesellschaft. Aber es kommen auch Themen wie Armut, Einsamkeit und Missbrauch zur Sprache.  

Eine Gruppe von 31 Frauen aus 18 unterschiedlichen christliche Konfessionen und Kirchen – im Alter zwischen 20 und 80 Jahren – hat gemeinsam die Gebete, Gedanken und Lieder ausgewählt. (Schottland hat übrigens aus historischen Gründen ein eigenes Weltgebetstagskomitee.) 

Bei allen Gemeinsamkeiten hat jedes der drei Länder des Vereinigten Königreichs seinen ganz eigenen Charakter:

  • England ist mit 130.000 km² der größte und am dichtesten besiedelte Teil des Königreichs – dort leben etwa 85% der Gesamtbevölkerung. Seine Hauptstadt London ist wirtschaftliches Zentrum sowie internationale Szene-Metropole für Mode und Musik.
    In jüngster Zeit haben Städte wie London große Anziehungskraft auf Menschen unterschiedlicher Herkunft ausgeübt, gut 9 Millionen leben dort. Viele davon arbeiten im Dienstleistungs- und Finanzsektor. Die Diskrepanz zwischen Land und Stadt ist ausgeprägt. Während die Stadtbevölkerung weltoffen und divers lebt, fühlen sich viele Menschen auf dem Land abgehängt, und mit ihrer Sorge vor wachsender Arbeitslosigkeit und Angst vor sozialem Abstieg von der Politik allein gelassen. Viele ländliche Regionen haben für den Brexit gestimmt – anders die Städte.
  • Wales ist ländlich geprägt, von Bergen umgeben und einer rauen Küste begrenzt, es erstreckt sich über eine Fläche von 20.735 km². In Wales leben mehr Schafe als Menschen, nämlich 10 Millionen Schafe auf knapp 3 Millionen Menschen. Hier werden mehr Schafe gezüchtet als in jeder anderen Region Europas.
    Die Waliser sind stolze Menschen, die sich ihre keltische Sprache und Identität bewahrt haben – trotz der vielen Versuche Englands in den vergangenen Jahrhunderten, die walisische Kultur zu verdrängen. Lange Zeit war es verboten, Walisisch zu sprechen. Heute sind alle Ortsschilder und Hinweise zweisprachig.
    Wales ist reich an Bodenschätzen. Die großen Kohleminen waren einst sehr wichtig für Infrastruktur und Wohlstand. Cardiff, die Hauptstadt von Wales, hatte den größten Kohlehafen der Welt. Von der Schließung der Minen in den 1980ger Jahren hat sich Wales wirtschaftlich nie wirklich erholt.
  • Grüne Wiesen, zahlreiche Seen und Flüsse, unberührte Moorlandschaften, steile Klippen und einsame Buchten mit wunderschönen Sandstränden sind typisch für Nordirland, wo etwa 2 Millionen Menschen leben. Es erstreckt sich über eine Fläche von 13.843 km², die Hauptstadt ist Belfast.
    Seit dem Ende des Unabhängigkeitskrieges von 1919 - 1921 ist das englandtreue Nordirland von der unabhängigen Republik Irland geteilt und gehört zum Vereinigten Königreich. Jahrzehntelange gewaltsame Konflikte zwischen den protestantischen Unionisten und den katholischen Republikanern, die eine Wiedervereinigung mit der Republik Irland anstreben, haben Nordirland erschüttert und auf beiden Seiten tiefe Wunden hinterlassen. Erst mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 wurden die bewaffneten Auseinandersetzungen beendet. Infolge des Brexits haben die Spannungen erneut zugenommen.

 

Das allgemeine Wahlrecht wurde in Großbritannien 1918 eingeführt, einem jahrzehntelangen schmerzhaften Kampf der Frauen um Gleichberechtigung. Emmeline Pankhurst (1858-1928) gilt bis heute als Ikone der britischen Frauenbewegung.

Armut, häusliche Gewalt und Diskriminierung sind vielfältig, und oft erst auf den zweiten Blick erkennbar. Betroffen sind überproportional viele Frauen und Kinder - genauso wie Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft oder körperlichen Einschränkungen am Rande der Gesellschaft leben. Jedes 5. Kind im Vereinigten Königreich ist von Hunger betroffen. Oft ist das kostenlose Schulessen die einzige warme Mahlzeit am Tag. 14 Millionen Menschen leben unter der Armutsgrenze. Rund 8000 Kirchengemeinden betreiben oder unterstützen derzeit Tafeln.

Die Teilung des Schulsystems in öffentliche und private Schulen stellt schon früh die Weichen für den späteren Erfolg in Studium, Beruf und Karriere. Ohne den Besuch einer privaten Schule besteht kaum die Chance an einer der Eliteuniversitäten wie Oxford oder Cambridge angenommen zu werden. Aber obwohl diese Universitäten es Frauen erst seit 1920 erlauben ihren Abschluss zu machen, sind heute mehr als die Hälfte der Studierenden weiblich.

Die Bevölkerung im Vereinigten Königreich wurde im Laufe der Jahrhunderte durch mehrere Einwanderungswellen geprägt, viele Menschen sind aus den ehemaligen Kolonien und dem heutigen Commonwealth zugewandert. In jüngster Zeit hat auch die Einwanderung aus Europa stark zugenommen. Nicht alle sehen darin eine Bereicherung. Während der Brexit Kampagne wurde mit der Angst vor Überfremdung erfolgreich Stimmung gemacht.

In all den turbulenten Zeiten gibt es eine Konstante, die über alle Parteigrenzen und sozialen Unterschiede hinweg die Bevölkerung eint: Queen Elisabeth II. Seit 1953 ist sie gekröntes Staatsoberhaupt und erfüllt ihren Dienst selbstlos und diszipliniert. Selbst KritikerInnen der Monarchie zollen ihr dafür Respekt; sie steht für Tradition und Beständigkeit. Boris Johnson ist der 14. Premierminister ihrer langen Amtszeit, und obwohl die Queen keine politische Macht hat, ist ihr Einfluss nicht zu unterschätzen.

Wunderschöne alte Kathedralen und Kirchen zeugen von der langen christlichen Tradition und Geschichte des Königreichs. König Henry VIII. führte sein Land 1534 in die Reformation und gründete die Kirche Englands, zu deren Oberhaupt er sich selbst ernannte. Seit 1992 werden Frauen in der Anglikanischen Kirche zu Priesterinnen ordiniert, seit 2006 laut Beschluss der Generalsynode auch zu Bischöfinnen. 2015 wurde Libby Lane die erste Bischöfin in England.

Heute gehören 45% der ChristInnen der anglikanischen, 19% der protestantischen und 10% der römisch-katholischen Kirche an. Weitere Religionen im Königreich sind der Islam, Hinduismus, Sikhs, das Judentum und der Buddhismus. 53% der Menschen sind konfessionslos.

 

Das Titelbild von Angie Fox …

… öffnet uns den Blick auf eine Zukunft, die Frieden und Hoffnung verheißt. Das Tor ist geöffnet, die Ketten sind gesprengt, Friedenslilie und Taube weisen uns unter dem Regenbogen den Weg.

Es ist kein gemaltes Bild, sondern eine Textilarbeit, typisch für Nordengland, zusammengenäht aus vielen Einzelteilen aus mehreren Stoffbahnen und gestickten Applikationen, die in mühevoller monatelanger Arbeit angefertigt wurde.

Was wollen die Frauen uns damit sagen?

Vielleicht drückt das Bild Hoffnung aus: Unser Weg wird nicht grau bleiben, unser Weg mit Gott wird auf saftige Wiesen führen, denn: Gott ist da – sein Angebot an uns bleibt bestehen. Es liegt an uns, den Weg zu betreten. Die dreieinige Göttlichkeit steht felsenfest auf diesem Weg und gibt uns Halt und Sicherheit. Die Göttliche Geistkraft über uns im Symbol der Taube zeigt Zugewandtheit im Jetzt und Begleitung in die Zukunft.

Gott will, dass wir Türen öffnen, Hass überwinden und uns die Hand reichen zu einem gelingenden Miteinander im Vertrauen auf ihn. Das Bild zeigt den „Zukunftsplan Hoffnung“ als Geschenk Gottes an uns: Ich bin da, ich war immer schon da und ich werde auch in Zukunft mit euch sein bis zum Ende der Zeiten.